Archiv für Juli 2009

Reclaim The Streets in Stuttgart

Ein bißchen war Hauptwachtmeister Schulz (Name von der Redaktion geändert) dann wohl doch verwundert.
Eigentlich begann alles ganz normal als die Besitzerin der Bar ‚Palast der Republik‘
- ein eher alternativer Treffpunkt- anrief.
„Da sind ein paar Punks.“, sagte sie
„die sitzen auf dem Platz vor meinem Cafe, ohne von meinen Getränken zu konsumieren. Tun sie was dagegen“.
Und nartürlich war Hauptwachtmeister Schulz mit seinen Kollegen sehr schnell zur
Stelle um den Punks Platzverweis zu verteielen, damit sie aus dem Stadtbild
wieder verschwänden.
Und am Anfang lief es auch noch wie gewünscht: die Punks standen auf und giengen weg,
doch irgendwie nicht dorthin wo sie sollten…

Perspektivenwechsel

Stuttgart ist bekannt für sein großes Polizeiaufgebot, für seine ständigen
Polizeikontrollen gegenüber Migrantinnen, Obdachlosen, Punker etc. und für sein
rigerosen Vorgehen gegen Proteste; vor allem gegen unangekündigtem Protest.
Stuttgart ist dafür bekannt dass sich alternative Kultur in Clubs abspielt,
wo Türsteher dafür sorgen, dass das Publikum konform und konsumierfreudig ist,
oder eben in betreuten Jugendhäuser ausweicht.

Nun ganz klar, Stuttgart hat in den letzten Jahren ein ziemlich schlechten Ruf
erworben, mit dem wir nun gar nichts zu tun haben wollen.
Und so trafen sich am letzten Samstag Abend rund 50 Leute am Palast der Republik
– und nartürlich waren nicht nur Punker mit dabei.
Ausgerüstet mit genügend Getränken, Musik, Flugblättern und guter Laune, zog
dann diese bunte Schar (wir) feiernd und die Freiheit propagierend in Richtung
Königstraße.
Beigleitung erfuhren wir von einigen herbeigerufen Einsatzkräfte der Polizei,
die dem ganzen doch recht unschlüßig gegenüberstand.
Die Polizei wiederum erfreute sich dem Intersse einer sich zwar verspätenden
aber neugirigen und, wie immer diziplinierten, Abteilung der Clownsarmee.

Auf der Königstraße angekommen begann der erste Zwischenstopp in der Nähe der
Freitreppen neben dem Kunstmuseum, zu dessen Ehren der Skatertreffpunkt
‚Hall of fame‘ vor einigen Jahren zerstört wurde.
Der Versuch hier ein Partyzelt aufzubauen mißglückte leider aus technischen
Gründen, die Plane hing zu tief.
Der Stimmung tat dies keinen Abbruch, und auch die PassantInnen, die nun auf der
Königstraße erwartungsgemäß zahlreich waren, reagierten positiv auf das Geschehen.

Weiterhin gut gelaunt und die Freiheit propagiernd gieng es dann die Königstraße
weiter, mit einigen Zwischenstopps hoch und zürück, hindurch durch Konsum und
die Polizei, die immer noch unschlüßig herumstand.

Frei von Konsum und Polizeirepressionen gieng dieser kleine Exkurs
zurück an den Schloßplatz und dort zu Ende.
Die Musik verstummte die Leute verschwanden.

Perpektive wechselt wieder:

Wachtmeister Schulze sitzt nun doch wieder ganz zufrieden in seinem
Einsatzfahrzeug.
Zufrieden sieht er wie die Menschen in der Stadt flanieren, ruhig und diszipliniert,
schaut den Menschen in den Cafe`s zu, wie sie ihre Getränke trinken, sieht die
Menschen mit vollen Einkaufstüten, Menschen die hier her gehören.
Und was diesen kleinen Spuck angeht, den dies Gruppe Punks (und wer war noch
dabei?) fabriziert haben nun – er ist vorbei, sie sind nun Gott sei Dank
NICHT MEHT SICHTBAR.

Prolog:
Zufrieden ein Stück Freiraum innerhalb von Konsum und Polizeiwannen ertrotzt
zu haben, gieng die Schar wieder fort.
Natürlich war es den meisten bewusst, dass damit nicht viel gewonnen war
und viele dürften ein Autonomes Zentrum in Stuttgart stärker als zuvor vermißt haben.
Aber wie heißt es so schön: Freiheit ist ansteckend.
Für eins, zwei, drei, viel Autonome Zentren in Stuttgart und überall.
Und natürlich: Gegen Quark und für die Revolution.

Auch wenn vieles an der RTS erfreulich war, waren einige organisatorische Sachen nicht so geglückt.
Dazu gab es auch berechtigte Kritik, die am näxtem Tag
auf der Vollversammlung diskutiert wurde.
Wir werden diese Punkte, so weit wie möglich, auf unsere Hompage
veröffentlichen, und freuen uns auf weitere Diskussionen.

Haben wir eine Wahl? – Interview mit einer Aktivistin

Es ist Superwahljahr. Neben den politischen Parteien, die bei den Bundestagswahlen um die Macht im Staate konkurrieren, lassen auch außerparlamentarische linke Gruppen es sich nicht nehmen, zu den Wahlen politisch aktiv zu werden. U.a. in Stuttgart wird es zeitnah zu den Bundestagswahlen eine Kampagne unter dem Titel „Haben wir eine Wahl?“ geben. Im Vorfeld der Kampagne veröffentlichen wir dieses Interview mit der Aktivistin Ellen O., um Interessierte über die Kampagne zu informieren.

Redaktion: Hallo Ellen, kannst du kurz darstellen, warum ihr diese Kampagne durchführt und was ihr damit bezwecken wollt?

Ellen:Hallo. Die Bundestagswahl, an der wir unsere Kampagne ausrichten, wird ja Ende September stattfinden. Und eigentlich steht diese Wahl auch stets unhinterfragt als etwas Positives da: Das Volk darf jetzt entscheiden, „wir“ haben die Macht. Wir sind der Auffassung, dass bei diesem Zirkus der Bundestagswahlen das allermeiste, was diese Gesellschaft ausmacht, nicht zur Wahl steht, dass das Wahlvolk vielmehr nur die Aufgabe zu erfüllen hat, jemanden auszusuchen, der andere beherrschen darf (eine relativ widerliche Angelegenheit, wie wir finden). Der demokratische Staatszweck, den wir kritisieren, besteht ja ganz unabhängig von den momentan herrschenden Demokraten, das Volk hat nur zu entscheiden: „Wer macht‘s?“, um Inhalte geht es bei der Wahl nicht. Wir wollen mit dieser Kampagne für eine Kritik an den Wahlen sensibilisieren, wollen die entscheidende Frage stellen, die niemand stellt: Haben wir eine Wahl – und wenn ja, welche?! Dazu kommt, dass die Wahlen innerhalb der Stuttgarter Linken unserer Auffassung nach unzureichend thematisiert werden.

Redaktion: Du hast gerade schon den Umgang der Stuttgarter Linken mit den Wahlen angesprochen. Es gibt bestimmt auch Positionen innerhalb der außerparlamentarischen Linken, die sich den Bundestagswahlen nicht verschließen, bzw. die im Wählen gehen nichts Verwerfliches sehen. Seid ihr auch mit solchen Positionen konfrontiert und wie geht ihr damit um?

Ellen: Zunächst einmal muss ich dir zustimmen, wenn du sagst, dass wir auch innerhalb der außerparlamentarischen Linken sehr unterschiedliche Positionen zu den Wahlen vorfinden. Die eine Position ist die unsere, die das Wählen Gehen konsequent ablehnt, eine andere Position zielt auf eine Art Schadensbegrenzung ab – da wird argumentiert, dass z.B. die LINKE an der Macht immer noch besser sei als eine CDU-Regierung. Auch in der Stuttgarter Linken sind solche Positionen relativ verbreitet, eine Genossin hat beispielsweise im Juni für den Stuttgarter Gemeinderat über die offene Liste der LINKEN kandidiert. Unser Umgang damit ist relativ simpel: Wir wollen einen gewissen Pluralismus und sehen darin nichts Schlechtes. Wir akzeptieren die Positionen von GenossInnen, die wählen gehen, kritisieren diese aber inhaltlich. Gerade diese Widersprüche wollen wir auch in unserer Kampagne diskutieren. Neben persönlichen Unverständniserklärungen uns gegenüber haben wir noch keine negativen Erfahrungen mit abweichenden Positionen gemacht.

Redaktion: Stell uns doch bitte kurz dar, was ihr genau geplant habt und wie ihr euch eure Kampagne vorstellt.

Ellen: Grob kann die Kampagne in drei Bereiche geteilt werden: Inhaltliches, Agitation und Kultur. Inhaltlich werden wir eine umfangreiche Broschüre erstellen, in der wir uns ausführlich mit dem Themenkomplex um die Bundestagswahlen auseinandersetzen wollen. Außerdem wird eine interessante Veranstaltungsreihe stattfinden, bei denen wir neben den Wahlen auch das Thema Demokratie und eine Auseinandersetzung mit der LINKEN forcieren wollen. Im Bereich Agitation werden wir Infotische und kreative Aktionen wie kurze Theaterstücke u.ä. anbieten, um mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, unsere Inhalte zu vermitteln und natürlich für die Veranstaltungen zu mobilisieren. Kulturell wird es zunächst eine Ausstellung im Ludwigsburger Demoz zu den kreativsten ungültigen Wahlzetteln geben, außerdem eine Vernissage-Party dazu, eine Anti-Wahl Party am Tag vor der Wahl und ein öffentliches Picknick am Wahlsonntag, mit dem wir vermitteln wollen, dass es uns definitiv wichtiger ist, gut zu frühstücken, als alle vier Jahre ein Kreuz zu malen.

Redaktion: Vielen Dank für dieses Interview

Ellen: Keine Ursache. Wir möchten uns zum Schluss noch bei der Redaktion des Gegenstandpunkt-S, v.a. bei Theo Wentzke, und den Falken Stuttgart bedanken, die uns personell wie auch finanziell unterstützen.

Die Kampagne „Haben wir eine Wahl?“ wird organisiert von der Libertären Initiative Stuttgart [LISt] und dem Libertären Bündnis Ludwigsburg (LB)², behaltet für aktuelle Ankündigungen die Bündnishomepage www.keinewahlstuttgart.blogsport.de und linke Nachrichtenportale im Auge.

Kontakt: keinewahl@riseup.net

Dezentraler Umsonstladen

Am Samstag wird ein dezentraler Umsonstladen auf der Königsstrasse sein.
Bereits zuvor wurde ein Diskussionsabend veranstaltet, in dem darüber diskutiert wurde,
welche Perspektiven eine solche Aktion aufzeigt.
Wer also Interesse hat, diese Diskussion am kommenden Samstag vortzusetzen, ist ebenso
herzlich eingeladen, am Samstag vorbeizuschaun, wie all jene, die sich am praktischen Teil dieser Aktion
beteiligen wollen, oder einfach mal schauen wollen, was „es dort so gibt“

Wo: Königsstrasse in Stuttgart
Beginn:Samstag 18.7 ca. 11 Uhr
Ende:Samstag 18.7 ca. 18 Uhr

Nach dem Motto „alles für alle und zwar um sonst! everything for everyone – for free“ wird zeitgleich
in Mannheim ein Umsonstflohmarkt sein, der von der Anarchistischen Gruppe Mannheim organisiert wurde.
Link: http://anarchie-mannheim.de/index.php

Ein Gespenst geht um in Stuttgart…

Das Gespenst des Anarchistischen Kulturwochenendes!

Das zweite AKW kommt! Wenn ihr euch an der Orga beteiligen wollt, Räume zur Verfügung stellen wollt, Schlafplätze sucht, einen Workshop halten wollt dann schaut doch mal auf akwstuttgart.wik.is vorbei! (ohne www sonst gehts nicht…)

Wir hoffen auf Rege beteiligung. Bei Fragen oder Anregungen das Wiki betreffend einfach schnell eine E-mail schreiben

Li(e)bertäre Grüße, eure [LISt]

Diskussion & Party im Juli

Nachdem auf dem letzten Programm unerwartet leider nicht alle Termine eingehalten werden konnten (wir bitten im Nachhinein noch einmal um Entschuldigung an alle, die die entsprechende Meldung auf Infoladen-Ludwigsburg zu spät lasen) haben wir ein neues, niet- und nagelfestes Freitags-Programm für den Monat ausgearbeitet.

Das ganze Programm wird wie immer in den Falken-Räumen stattfinden, in der Regel beginnt um 18 Uhr ein Vortrag oder eine Diskussionsveranstaltung (Themas sind Freiraum, Anarchie und Strafe,…) und ab 20 Uhr startet die „After-Party“. Zwischendurch haben wir eine Party unter das Motto „Bad Taste“ gestellt- also, lasst euch was einfallen und tanzt mit uns grauenvolle Tanzstile zu total geschmackloser Musik (gerne dürft ihr auch Schlager, 90er,… mitbringen) mit uns an diesem Abend.

Am Freitag den 3. Juli rufen wir zur Anti-G8 Demo in Berlin auf und folglich wird es an diesem Tag keine Veranstaltung geben.

Also: Auf in den „Diskussion und Party“-Monat Juli!!!

Schon vorbei: 10.7. Freiraum-Diskussion + anschließend Party

17.7.: 20 Uhr „Bad-Taste“ Soli-Party für die „Rote Hilfe“

24.7.: 18 Uhr Workshop „Anarchie und Strafe“, 20 Uhr Party

31.7.: 20 Uhr Konzert mit „Knörk“

Rock gegen Rechts

Dieses Jahr ist es wieder zu verstärkten Aktivitäten von Nazis in unserer Region gekommen. Die Naziparteien NPD, DVU und REP beteiligten sich bei den Europa- und Kommunlawahlen in Baden-Württemberg und traten offen in Innenstädten in Erscheinung. Der Erste Mai wurde nicht nur in Ulm, sondern in ganz Deutschland von Nazis missbraucht. Der Zulauf von Jugendlichen zu den „Autonomen Nationalisten“ macht sich immer mehr bemerkbar und Rechtsrock-Konzerte in unserer Umgebung vermitteln ihnen dabei die nötigen Einstellungen: Fremdenhass, Antisemitismus, Homophobie, Nationalismus und der ganze andere Scheiß.

Der Dreistigkeit der Nazis muss eine Ende gesetzt werden

Beim fünfzehnten ROCK GEGEN RECHTS wollen wir deshalb ein deutliches Zeichen setzen für eine solidarische, multikulturelle und moderne Gesellschaft, in der jeder Mensch gleichberechtigt und selbstbestimmt leben kann. Die Straßen unserer Städte sollen nazifrei bleiben und dazu brauchen wir eure Hilfe.

Unterstützt unseren Aufruf zum ROCK GEGEN RECHTS 2009!

Wir rufen euch hiermit dazu auf, den diesjährigen Aufruf zum Rock gegen Rechts zu unterstützen. ROCK GEGEN RECHTS findet statt am

Samstag, den 25. Juli 2009

vor dem Jugendhaus Farbstraße in Bietigheim-Bissingen. Wir würden uns freuen, euch mit auf die UnterstützerInnen-Liste zu nehmen.

Die Straßen gehören uns und die Nazis müssen zuhause bleiben.

Mit einer Streetparade, verschiedenen Redebeiträgen, Infoständen, Vokü und einem Festival regiert ROCK GEGEN RECHTS am 25. Juli in Bietigheim-Bissingen. Hippe Bands aus der Region (u.a. Nu Sports, Accros the Border, Tieflader) werden ab 16 Uhr das Jugendhaus Farbstraße rocken. Aktiven und denjenigen, die es werden wollen, wird die Gelegenheit gegeben, sich miteinander zu vernetzen und Erfahrungen im Kampf gegen Nazisauszutauschen. Zeit zu entspannen oder zu spielen wird es natürlich auch geben.

Die Streetparade

Als Auftakt zum Festival wird eine Streetparade gegen Rechts die Straßen Bietigheims bunter machen. Der Treffpunkt ist um 14 Uhr am Hauptbahnhof in Bietigheim-Bissingen. Die Parade führt durch die Bietigheimer Innenstadt hin zum Festivalgelände vor dem Jugendhaus. Auf dem Weg dorthin wird es mehrere Zwischenkundgebungen geben. Auch hier könnt ihr bis zum 20. Juli eigene Beträge anmelden.

Wenn ihr diesen Aufruf unterstützen wollt, meldet euch mit dem Namen eurer Gruppe oder Organisation unter folgender Email-Adresse:
lb-hoch2@riseup.net

Euer Rock-gegen-Rechts-Team
Quelle/Links: http://rockgegenrechts.blogsport.de/