Reclaim The Streets in Stuttgart

Ein bißchen war Hauptwachtmeister Schulz (Name von der Redaktion geändert) dann wohl doch verwundert.
Eigentlich begann alles ganz normal als die Besitzerin der Bar ‚Palast der Republik‘
- ein eher alternativer Treffpunkt- anrief.
„Da sind ein paar Punks.“, sagte sie
„die sitzen auf dem Platz vor meinem Cafe, ohne von meinen Getränken zu konsumieren. Tun sie was dagegen“.
Und nartürlich war Hauptwachtmeister Schulz mit seinen Kollegen sehr schnell zur
Stelle um den Punks Platzverweis zu verteielen, damit sie aus dem Stadtbild
wieder verschwänden.
Und am Anfang lief es auch noch wie gewünscht: die Punks standen auf und giengen weg,
doch irgendwie nicht dorthin wo sie sollten…

Perspektivenwechsel

Stuttgart ist bekannt für sein großes Polizeiaufgebot, für seine ständigen
Polizeikontrollen gegenüber Migrantinnen, Obdachlosen, Punker etc. und für sein
rigerosen Vorgehen gegen Proteste; vor allem gegen unangekündigtem Protest.
Stuttgart ist dafür bekannt dass sich alternative Kultur in Clubs abspielt,
wo Türsteher dafür sorgen, dass das Publikum konform und konsumierfreudig ist,
oder eben in betreuten Jugendhäuser ausweicht.

Nun ganz klar, Stuttgart hat in den letzten Jahren ein ziemlich schlechten Ruf
erworben, mit dem wir nun gar nichts zu tun haben wollen.
Und so trafen sich am letzten Samstag Abend rund 50 Leute am Palast der Republik
– und nartürlich waren nicht nur Punker mit dabei.
Ausgerüstet mit genügend Getränken, Musik, Flugblättern und guter Laune, zog
dann diese bunte Schar (wir) feiernd und die Freiheit propagierend in Richtung
Königstraße.
Beigleitung erfuhren wir von einigen herbeigerufen Einsatzkräfte der Polizei,
die dem ganzen doch recht unschlüßig gegenüberstand.
Die Polizei wiederum erfreute sich dem Intersse einer sich zwar verspätenden
aber neugirigen und, wie immer diziplinierten, Abteilung der Clownsarmee.

Auf der Königstraße angekommen begann der erste Zwischenstopp in der Nähe der
Freitreppen neben dem Kunstmuseum, zu dessen Ehren der Skatertreffpunkt
‚Hall of fame‘ vor einigen Jahren zerstört wurde.
Der Versuch hier ein Partyzelt aufzubauen mißglückte leider aus technischen
Gründen, die Plane hing zu tief.
Der Stimmung tat dies keinen Abbruch, und auch die PassantInnen, die nun auf der
Königstraße erwartungsgemäß zahlreich waren, reagierten positiv auf das Geschehen.

Weiterhin gut gelaunt und die Freiheit propagiernd gieng es dann die Königstraße
weiter, mit einigen Zwischenstopps hoch und zürück, hindurch durch Konsum und
die Polizei, die immer noch unschlüßig herumstand.

Frei von Konsum und Polizeirepressionen gieng dieser kleine Exkurs
zurück an den Schloßplatz und dort zu Ende.
Die Musik verstummte die Leute verschwanden.

Perpektive wechselt wieder:

Wachtmeister Schulze sitzt nun doch wieder ganz zufrieden in seinem
Einsatzfahrzeug.
Zufrieden sieht er wie die Menschen in der Stadt flanieren, ruhig und diszipliniert,
schaut den Menschen in den Cafe`s zu, wie sie ihre Getränke trinken, sieht die
Menschen mit vollen Einkaufstüten, Menschen die hier her gehören.
Und was diesen kleinen Spuck angeht, den dies Gruppe Punks (und wer war noch
dabei?) fabriziert haben nun – er ist vorbei, sie sind nun Gott sei Dank
NICHT MEHT SICHTBAR.

Prolog:
Zufrieden ein Stück Freiraum innerhalb von Konsum und Polizeiwannen ertrotzt
zu haben, gieng die Schar wieder fort.
Natürlich war es den meisten bewusst, dass damit nicht viel gewonnen war
und viele dürften ein Autonomes Zentrum in Stuttgart stärker als zuvor vermißt haben.
Aber wie heißt es so schön: Freiheit ist ansteckend.
Für eins, zwei, drei, viel Autonome Zentren in Stuttgart und überall.
Und natürlich: Gegen Quark und für die Revolution.

Auch wenn vieles an der RTS erfreulich war, waren einige organisatorische Sachen nicht so geglückt.
Dazu gab es auch berechtigte Kritik, die am näxtem Tag
auf der Vollversammlung diskutiert wurde.
Wir werden diese Punkte, so weit wie möglich, auf unsere Hompage
veröffentlichen, und freuen uns auf weitere Diskussionen.