Pamphlet/ Kritik an der linken Szene

Manchmal sitzt man nach dem 10Bier als linker Aktivist in einer pseudo-alternativen Bar, umgeben von kreischenden, tanzenden, bürgerlich-konterrevolutionären Indy-Hörern und fragt sich, warum es eigentlich nun immer noch nicht zur Revolution kommt- nach marxschem Kalender dürfte das doch so langsam eingetroffen sein und wie viel Stunden hat man schon auf ätzenden Planungen, Plena sowie auf Diskussionen über verschiedene Theorien verbracht…

Und wenn die 10 Bier nicht wären, sowie die vielen Bücher nicht schon den Blick auf die Welt verdrängt hätten, so würde vielleicht eine kritische Reflektion weg von bisherigen Schablonen folgen. Nüchtern versuche ich einen solchen einmal anzustoßen:

AKTIONSFORMEN:

Warum nur ist die linke Szene so unpopulär (links-liberal zählt nicht)? Warum reden die Leute auf der Straße von Brad Pitt und nicht von Marx und Engels?

Warum steckt die breite Masse die gesamte Bewegung im groß und ganzen in 4 Kathegorien, für die sie pro Kathegorie mindestens einen Grund haben, sie abzulehnen?

Diese Kathegorien sind selbstverständlich nur Stereotype, versetzen wir uns in den Kopf des Durchschnitts-Bürgers in der BRD (was autonom, Kommunist,… wirklich bedeutet wissen wir selbstverständlich alle und muss hier nicht noch einmal aufgelistet werden):

1. Autonomer (Krawallmachender Chaot, als gesellschaftliches Prinzip abzulehnen, von Geburt an so)
2. Hippie ( Reiche Eltern, kann es sich erlauben, alles in allem weltfremder Trottel, nimmt Drogen und redet Kauderwelsch, will überall Liebe und so, als gesellschaftliches Prinzip abzulehnen)
3. Kommunist (will Sovjetunion und DDR wieder haben- natürlich damit er/sie sich dort ausruhen kann, entweder autoritär oder weltfremd, als gesellschaftliches Prinzip abzulehnen)
4.SPDler: (gute Mitte, balanciert soziales und realistisches aus, bisschen zu links und so, als gesellschaftliches Prinzip gerade noch ok- oder auch gerade nicht mehr)

Was können wir daraus ziehen? Richtig, dass die Leute keinen blassen Schimmer von uns haben. Warum? Sind es wirklich nur „die manipulierenden Medien“, „die Dummheit der Masse“?
Halt, waren es nicht immer 2 Seiten, die eine Beziehung ausmachen? Lässt sich die in Kathegorien gepresste Szene nicht allzu leicht in eben jene stecken?
Wann haben denn die Leute denn schon wirklich direkten Kontakt zu uns als politisch bewusste Menschen? Das stärkste sind immer noch die direkt gemachten Erfahrungen.
Ach, richtig- da gab es doch noch die öffentlichen Demonstrationen! „Wir sind zwar wenig, aber es gibt immer noch jemand der dagegen ist! A-Anti-Anticapitalista!“ Wer hinter 3 Reihen Spalier diesen Aufruf überhaupt noch mitbekommt, ist trotzdem kein Stück schlauer. Wenn er/sie Glück hat, bekommt er/sie sogar noch ein Flugblatt in die Hand gedrückt- mit einer Analyse von imperialistischen Mächten, die schon wieder überall in der Welt zur Stärkung des nationalen Kapitals Kriegspolitik betreiben, Versammlungsgesetzen die gegen Menschen, die dagegen sind hervorgezaubert wurden,…. Dort stehen dann Sachen wie „m Kampf für eine antikapitalistische Perspektive ist das Eintreten gegen die „Krisenlösung“ des Kapitals, Profite durch imperialistische Kriege zu sichern, von zentraler Bedeutung“ und denkt sich nur „Achso ist das!“

Das ganze noch verziert mit einem Endaufruf: „Für den Kommunismus!“ und sofort ist man überzeugter Genosse.
„Achso meinen die das, sollen sie doch gleich sagen- lauf ich gleich mal mit!“ Und auf den weiteren Aktionen wird er gar nicht viel umdenken müssen, denn dieselbe Schablone zieht sich durch beinahe jegliches Thema.
Mal ganz im Ernst: Demos heute sind doch eine Art Boxkampf. „Wir gegen den Staat! Mal schauen, wer heute gewinnt.“ Und man hofft, dass die proletarischen Massen, die gerade auf dem Weg zur Kneipe sind, nicht nur die Klitschko-Brüder verfolgen sondern den Boxkampf direkt vor ihrer Haustür- und sich damit mehr verbunden fühlen, da diese paar hundert Leute doch für ihre Klasse kämpfen- der sie doch auch angehören und leugnen sie dies, so nur aus Unkenntnis. Es geht doch nur um ihre Interessen, also sollen sie gefälligst mit für die Dinge da auf dem Flugblatt ihre Füße wund laufen.

Nichts gegen Demos erst einmal, sie sind wichtiger Bestandteil des Widerstands. Das Wort „Bestandteil“ impliziert allerdings, dass dies nur ein Teil des Bestands sein darf- und wer von uns wurde denn bitteschön durch so ein Demo-Flugblatt schon politisiert? Bei wem waren es denn nicht Freunde, eigene Gedanken oder ein allgemeines „Ich-habe-es-satt“,das nach einem Ventil suchte?

Eine Aktion, die Menschen bewegen soll muss möglichst am Stamm ansetzen, nicht an Ästen rütteln. Mit anderen Worten: Sie muss möglichst direkt sein und da ansetzen, wo die Menschen Probleme haben- und diese muss sie möglichst direkt zu lösen suchen.
Oft wird von „Kräfteverhältnissen“ und „Aufbau von Strukturen“ geredet- ist diese jedoch aber wirklich zu Trennen von der Aktion? Sind es nicht viel eher aktive Impulse, die Menschen dazu bewegen, sich einer Bewegung anzuschließen? Was ist eine Bewegung, die nur auf Bewegung wartet und sich erst bewegt, wenn sie Masse zugelegt hat- und dann aber bitte alles auf einmal?
Eine Aktionsform unterscheidet sich von Selbstbefriedigung insofern, als dass es auf die zu bewegenden Massen eingeht. Dazu muss man diese dort abholen, wo sie gerade sind- und das ist zunächst eine alles andere als abstrakte Ebene. Die Stärke der Linksradikalen könnte genau darin liegen, dass sie die Menschen gerade nicht verwirrt und verarscht durch Fremdwörter und abstraktes Gerede wie es jene nötig haben, die wahre Hintergründe verschleiern müssen. Die Stärke liegt genau darin, ganz direkt- ja naiv- auf komplex erscheinende Probleme einzugehen. Wir denken, für die Massen wäre ein Leben „nach der Revolution“ besser (entschuldigt, wir wissen es ja…) als ihr heutiges. Wir wollen sie also mit Aktionsformen darauf aufmerksam machen, bestenfalls sollen sie selbst kritisch reflektieren und aktiv werden. Soweit zu unserem Standpunkt. Diese Menschen wollen zunächst einmal einkaufen/spazieren/Freizeit genießen/…. Was immer sie gerade tun. Ganz naiv: Was müssen wir tun, um eine aktive Beziehung zwischen ihnen herzustellen?
1. Ihre Aufmerksamkeit auf uns ziehen
2. Dinge ansprechen, die sie bereits beschäftigen
3. Diese miteinander verknüpfen, um aufzuzeigen, dass ganze Komplexe, eine Systematik dahintersteckt.

Im Vergleich dazu, was macht mensch heute meistens?

1. Durch Lautstärke und Parolen Aufmerksamkeit auf sich ziehen
2. Flugblätter mit Texten, die weder sprachlich noch thematisch die subjektiven Probleme der Menschen ansprechen und nicht selten gewisse Anschauungen oder Vorkenntnis bereits voraussetzen
3. Die Analyse mit Parolen schließen.

Fällt an diesem Vergleich etwas auf?
Um konkreter zu werden: Wenn ich hundert Meter neben einem Baum stehe kann ich noch so mit den Händen fuchteln- ich berühre den Baum einfach nicht, ich kann ihn nicht „wachschütteln“. Die Menschen sind dort abzuholen, wo sie gerade sind- im Sein und Bewusstsein, also in Lebensumständen sowie Gedanken.

Ich darf also nicht an Orten, wo die Menschen kein Problem sehen zu etwas aufrufen, mit denen die Menschen nichts anfangen können. Warum nur auf Straßen samstags die Menschen beim Genuss ihrer Freizeit mit den Problematiken zu konfrontieren suchen? Warum so tun, als ob die Menschen keine Vorurteile hätten und schon wissen würden, was wir mit „Anti-Capitalista“ und „Alle Bullen sind Schweine“ meinen?

Und wenn die Außenstehenden egal sind- warum dann der ganze Aufwand? Und warum setze ich bei Problemen an, die der Einzelne noch nicht einmal bewusst als Problem erkennt, weil ihm eventuell die Verknüpfungen fehlen?

Nein, zur wirklichen Politisierung ist eine Demo vielleicht der vierte oder der fünfte Schritt- um überhaupt dort aufzutauchen müssen jedoch schon 3,4 Schritte davor passieren.

Natürlich, es gibt Vorträge und Veranstaltungen in einschlägigen Zentren. Problem Nummer eins: Woher wissen, wenn ich mich nicht gezielt informiere? Problem zwei: Ich kenne dort niemanden und habe meine Vorurteile gegen solche dubiosen Veranstaltungen Problem Nummer drei: Alles kompliziertes Rumgelaber, lieber in die Kneipe- bringt mehr nach der Arbeit.

Wir müssen die Realität der Menschen treffen und damit all die Dinge, die sie direkt betreffen. Die Jugendlichen haben kein Geld zum Feiern am Wochenende? Warum nicht eine Party-Besetzung veranstalten.
Nokia will eine Fabrik schließen? Warum nicht vor Ort jene Fabrik besetzen und in Selbst-Verwaltung führen.
Das Obst wird teurer? Warum nicht Supermärkte plündern und verteilen.
Die Bahn-Preise sind erhöht? Kollektives Schwarzfahren anbieten.

Das sind natürlich alles weitgesteckte Ziele- aber es wäre eine Richtung, die Kräfte freisetzen könnte durch Aufdecken der Möglichkeiten. Die Massen werden keinem Aufruf folgen- wenn, dann schließen sie sich an wenn sie eine Bewegung sehen, die sie auch verstehen und erfassen können.

Dafür, dass die Linke und Linksradikale den Anspruch hat, dass jeder Mensch potentiell zu einem emanzipierten, also „freiheitlicherem“ Leben fähig wäre, traut sie den Menschen in ihren Mitteln extrem wenig zu, betrachtet sie durch Kathegorisierung teilweise selbst als Objekte. „Die denken sowieso….“ Ist eben der Feind von „Das wäre möglich“

Vom nahen zum fernen, vom einfachen zum abstrakten- dies wird von den „Schriftgelehrten“ und anderen Schreibtisch-Sessel-Theoretikern regelmäßig diffamiert. Jegliche Ansätze im „Hier und jetzt“- also in der Realität der Menschen- werden schnell als „für das Gesamte/für das revolutionäre Ziel“ nicht von Bedeutung oder gar als gefährlich angesehen. Nach der Errungenschaft von 2,3 individuellen Aspekten wird natürlich der Kampf eingestellt, ein Wachstum der Aktivität mit dem Wachstum an Erfahrungen wird von vorneweg ausgeschlossen.

Die selbst-ernannten Materialisten begnügen sich damit, an das Bewusstsein der Mitmenschen zu appelieren- erst „das richtige Klassen-Bewusstsein schaffen“- und unterbinden damit im vorneherein jegliche Entwicklung. Nachdem alle Menschen nur das richtige Bewusstsein hätten (aus logischen Schlüssen erkannt), würden sie auf einmal für den Umbruch sorgen und zu den Waffen greifen. Manch einer hat noch mehr Stapel falscher Geschichtsbücher vor sich aufgetürmt und hält sogar eine Partei ein geeignetes Instrument für so einen Umbruch- als ob es auch nur ein entfremdeteres Mittel politischer Aktion gäbe- und zudem ein weniger für den einzelnen rationale begreifbares und kontrollierbares.

Das alles sind die wahren Konterrevolutionäre, denn sie unterdrücken jede Entstehung eines revolutionären Prozesses bereits im Keim durch ihre – natürlich wissenschaftlich begründeten- Idealvorstellungen.

FLUGBLÄTTER/THEORIE

Nun darf selbst-verständlich die theoretische Arbeit, die Arbeit am Bewusstsein auch nicht fehlen- wohin soll sonst die Bewegung gehen, wenn keine Reflektion stattfindet, als einzelner und in Gruppen?
Doch wir bauen wir einen Text auf, der nicht nach den ersten 2 Zeilen wie von magischer Hand in den Papierkorb wandert?

Hier wieder folgendes Schema:
1. Aufmerksamkeit herstellen, evtl.mit Alltagssprache beginnen
2. Problematik aufzeigen, in der der Leser evtl. steckt: (Sachzwänge, Perspektiv-Losigkeit,…)
3. Aufzeigen von Hintergründen, sowie nahe und ferne Lösung (direkter Ansatz sowie Fernziel)

Beispiel (in blablabla… müssen noch ausführlichere Ausschweifungen eingesetzt werden)

Jaja, wir tragen keine Schuld

Was erwarten sie wohl nach dieser Überschrift? Ein Anklage? Vielleicht eine religöse Sekte, die ihnen irrationales Schuldbewusstsein einflößen will, weil sie sich nicht im Keller einsperren und für die Sünde einstehen, dass sie am Leben sind?

Ich kann sie beruhigen, es ist nur eine weitere Anklageschrift gegen die heutige Politik…
Was? Keine Lust weiterzulesen? Hätten sie doch lieber den Sekten-Text?
Mal angefangen: Was verstehen sie, wenn sie das Wort „Politik“ hören. Denken sie an Anklagen gegen die Frisur von unserer netten Bundeskanzlerin? Oder an fernes Theorie-Geplänkel, das nichts mit dem Leben von mir und dir hier und jetzt zu tun hat? Denken sie an den „moralischen Zeigefinger“ der uns umgibt?

Meine Frage: Warum denken sie nicht zum Beispiel an Freiheit?

Richtig, weil die aktuell herrschende Politik anscheinend so einen Gedanken nicht aufkommen lässt.

Nun wird die nächste Assoziation bei ihnen kommen: „Schon wieder der ewige Nörgler, der nicht Schaffende, der Sich-Rechtfertigende.
Und überhaupt: Wenn der/die Verfasser/In ein Wissenschaftler wäre, würde er/sie sich nicht in so einfacher Sprache ausdrücken. So einem Text glaube ich schon 3mal nicht.“
Was ich ihnen nun entgegne: Sie sollen ihm gar nicht glauben, ich appelliere an sie ihn nicht einfach zu „glauben“, genauso wie mensch alles andere nicht einfach „glauben“ sollte. Dies sind nur einige Anregungen- von Mensch zu Mensch. Und da wir nun einmal in einer Gesellschaft leben, sind wir irgendwie aneinander gebunden- nur nach welchen Prinzipien, das ist die Frage. Und das ist Politik.

Betrachten wir die Welt von einem Standpunkt, der ihrer sein könnte.

Blablabla…….Rentner/ Jugendlicher/ Arbeiter/Politiker/Unternehmer
Arbeit/Freizeit

Die Dinge, an die sie hier stoßen mögen nennt man „Sachzwänge“, das heißt unser „politischen System“ und die Prinzipien, die damit einhergehen setzen hier die Grenzen.
Dies müsste nicht so sein- und damit will ich keine Utopie aufspannen, sondern reelle Möglichkeiten aufzeigen.
Dazu müssen wir jedoch das System betrachten, dass jene „Sachzwänge“ erzeugt.
Der Kapitalismus. Dieser wird allerdings oft falsch verstanden- so werden bei der Finanzkrise, die vor allem Arbeiter/Innen, Hartz4- Empfänger etc. trifft, bei denen nun gespart wird, die scheinbar „raffgierigen Spekulanten“ angeklagt.
Doch auch jene „machen nur ihren Job“ im Kapitalismus-

Blablabla….. Analyse

Es sind also nicht einzelne Personen, die „das System“ darstellen, sondern jeder einzelne wirkt an der Aufrechterhaltung eben jener Prinzipien mit, die den Kapitalismus ausmachen. „Herrschaft“ äußert sich nicht nur im Opfer, sondern auch immer dort, wo Menschen Sachzwängen unterworfen sind- und unter diesen anders handeln, als sie es persönlich für gut heißen würden.
Die Rolle des Staates ist die Aufrechterhaltung jener Strukturen- der Verkehr beispielsweise wird nicht geregelt, weil ein Bedürfnis da ist (z.B., wenn jemand in den Wald fahren will), sondern weil die Menschen zu den jeweiligen Betrieben müssen, um dort als Maschine den Produktionskreislauf aufrechtzuerhalten.
Da der Kapitalismus allerdings eine strukturelle Gewalt darstellt, das heißt nicht nur ein paar „böse Kapitalisten“ dahinterstecken, sondern Sturkturen, die alle Menschen tragen, ist der einzelne Unternehmer auch gezwungen, „seine“ Arbeiter zu drillen, „wegzurationalisieren“,… denn ansonsten geht die gesamte Firma auf dem kapitalistischen Markt unter. Genauso verläuft es mit der Waffen-Industrie oder mit dem globalen Markt, der Expansion von Firmen etc.
Stellt dies also ein gesundes Prinzip der Gesellschaftsorganisation dar? Ist die größtmöglichste Entfaltung für alle gegeben? Hat sie also „Sinn“? Ist der Mensch einfach „von Natur aus“ so?

Ich denke nein.- Was denken sie?

Was wäre die Alternative:

Blablabla, Vergesellschaftung (nicht Verstaatlichung), Vorurteile abbauen, DIE SOZIALE REVOLUTION!!!!

Was kann ich aber als Einzelner tun?

Die berechtigte Frage ist. Was nützt mir das ganze Wissen? Es mag ja durchaus etwas daran sein, aber was kann ich in meiner begrenzten Lebenszeit tun?
Ganz einfach. So leben, wie sie es für richtig halten und wenn sich dem etwas in den Weg stellt, dagegen kämpfen. Denken sie in diesem Falle daran: Sie kämpfen nicht für sich allein, sondern für alle die unter diesen Bedingungen leiden.
Wie dieser „Kampf“ aussehen kann?

Blablabla…. Streiks, Forderungen, Aufklärung, Demos,…..

Alles in allem bleibt mir nur zu sagen: Realität ist nicht was auf Leinwänden übertragen wird oder was als „Pflicht-Bewusstsein“ oder „Moral“ auftritt, Reralität sind einzig und allein die Wünsche/ das Leben der Menschen, als Einzelner und in der Gesellschaft, also genauso auch ihre Wünsche, ihr Leben. Nur dort, wo die wirklichen Wünsche/Bedürfnisse so direkt wie möglich sich bewältigen lassen, dort ist das gesellschaftliche Prinzip „gesund“.
Und mal ehrlich: Die Welt an sich bietet doch viel zu viele Möglichkeiten, als es sich in genau dieser kurzen Lebenszeit von so einem verselbstständigten, herrschenden Prinzip verbauen zu lassen.

+ Geschichte Spanien Anarcho-Syndikalismus usw. irgendwo einbauen, weil`s rockt, ganz einfach

Ein Leser bleibt nur an einem Text, wenn es ihn betrifft. Er liest einen Roman, wenn er ein Bedürfnis nach Gefühlvollem hat. Er schaut einen Horrorfilm, wenn er schaudern will. Und er liest einen politischen Text, wenn dieser Ansätze bietet zum Lösen von Problemen die ihn individuell- und doch natürlich gesellschaftlich- bedrücken. Das Ziel ist also u.a. aufzuzeigen, dass dies nicht individuelle Probleme, sondern gesellschaftliche sind- und so auch nicht individuell sondern gemeinsam und nur gemeinsam zu lösen sind.

Die beste Vermittlung von Theorie geschieht natürlich noch in der Diskussion oder im Dialog. Veranstaltungen unter dem Thema „Zwischen Karriere- und Hausfrau, Schritte , nah und fern, auf dem Weg zur Befreiung“ könnten beispielsweise ein ansprechender Ansatz für die entsprechende Zielgruppe sein.

Zudem ist Theorie trocken selten leicht bekömmlich. Solange eine politische Gegenbewegung nicht auch eine kulturelle Gegenbewegung ist, geht ihr auf kurz oder lang der Saft aus. Was verbindet sind selten allein 2,3 gemeinsame Anschauung, sondern vor allem gemeinsame Erfahrung. Solange nicht das, was die meisten Menschen als „Leben“ sehen (und das ist, obwohl es den Großteil ihres Lebens bestimmt, selten die Arbeit) emanzipiert wird und somit direkte Bedürfnisbefriedigung ermöglichen fehlt auch die soziale Sprengkraft, die das alte starre System mit all seinen notwendigen Verstarrungen und „Im-Zaum-Halten“ überschreiten.

GENERELLES

Solange der Weg kein reiz-voller insofern ist, als dass der Einzelne als aktives, schaffendes Wesen direkt darin beteiligt ist, nutzt kein Ideal- und sei es noch so wissenschaftlich begründet. Das Ziel nicht nur des Zieles wegen, sondern der Weg muss das Ziel sein- im Hinblick auf sich auf diesem Weg eventuell wandelnde Ziel-Vorstellungen.

Öffentlichkeitsarbeit darf zudem die Menschen nicht als Konsumenten degradieren, sondern aktiv einbinden- und sei es nur zum aktiven Mitdenken plus Feedback.
Konsument ist das als reines Objekt misverstandene Aufklärungsziel dann, wenn:
a) Das schon vorhandene Bewusstsein dessen reproduziert wird
b) Der Text/die Aktion so schlecht erfassbar sind, dass er/sie keine Verbindung dazu herstellen kann

Schwarz/weiß-Denken, Abspaltungen statt Diskussion etc. ist ein weiterer Punkt:
Linksaktivistischer Mensch verirrt sich in links-theoretischen internen Debatten, um sich von anderen linksaktivistischen Gruppen abzugrenzen die da draußen sowieso niemand eigentlich kennt. Mit „bürgerlichen Gruppen“ diskutiert man sowieso nicht (zugegeben, es ist auch sehr schwer, dennoch kein Grund), Journalisten sind sowieso gegen uns (ja, ich weiß trotzdem um die Medien-Problematik),….

Eine treffende Analyse ersetzt die Bewegung, ersetzt die Realität nicht.
Dies sollte gerade uns, stehen wir doch „für die Freiheit, für das Leben (Nazis von der Straße fegen)“, eigentlich selbstverständlich sein.

Schade ist es, wenn wir die Möglichkeiten, die es gibt, nicht nutzen- es wäre doch so schön, wenn wir eines Tages in anfangsgenannter Bar sitzen, und für jene 10 Bier nicht mit dem Produkt der Prostitution unserer Arbeitskraft, sondern mit lediglich mit einem Lächeln zahlen müssten….