SCHULSTREIK- Für was streiken wir eigentlich?

Am 12. November wird ein bundesweiter Schulstreik durchgeführt, der verschiedene klare Forderungen
an die Verantwortlichen in der Politik stellt, u.a. „Kostenlose Bildung für alle […]; Studien- und Ausbildungsplätze für alle!“, „Kleinere Klassen [von] […] maximal 20 SchülerInnen […]; Schluss mit dem ständigen Unterrichtsausfall!“, „Nein zum Super-Stress“, „Rücknahme des Abiturs nach 12 Jahren“, „Nein zu Elitebildung und sozialer Ausgrenzung“[1] – also alles Forderungen, die Schule zu verbessern
und für die SchülerInnen angenehmer zu machen.
Gefordert wird, dass alle Menschen das Recht auf einen Platz in der Schule, im Studium und in der Ausbildung bekommen. Alle sollen am gesellschaftlichen Leben – Schule, Studium, Arbeit – teilhaben dürfen. Doch treffen diese Forderungen das Problem in seinem Kern? Um das zu erkennen muss man sich zunächst über die Funktion der Schule klar werden.

Die Funktion der Schule

Die Schule (im Folgenden wird nur auf die bürgerliche Schule, d.h. die Schule, wie wir sie heute kennen, eingegangen) ist „insbesondere gehalten, die Schüler zu Leistungswillen, […] zur Anerkennung der Wertund Ordnungsvorstellungen der freiheitlichdemokratischen Grundordnung […] wobei […] die freiheitlich-demokratische Grundordnung […] nicht in Frage gestellt werden darf, auf die Wahrnehmung ihrer verfassungsmäßigen staatsbürgerliche Rechte und Pflichten […] [sowie] auf die Mannigfaltigkeit der Lebensaufgaben und auf die Anforderungen der Berufs und Arbeitswelt mit ihren unterschiedlichen Aufgaben und Entwicklungen vorzubereiten.“[2]

Was das genau bedeutet, ist eindeutig:
- Die Schule soll die SchülerInnen zu Leistungswillen erziehen, d.h. dazu, gerne und gut Leistungen zu vollbringen.
- Die Schule soll die SchülerInnen zur „freiheitlich-demokratischen Grundordnung“ erziehen, d.h. zur Anerkennung, Respektierung und Wahrung der bestehenden Gesellschaftsordnung.
- Die Schule soll die SchülerInnen auf die Anforderungen der Berufs- und Arbeitswelt vorbereiten, d.h., dafür sorgen, dass sie jenes Wissen erhalten, mit dem sie auch später einen Beruf ergreifen können – z.B. werden momentan in der Schule verstärkt Naturwissenschaften gelehrt, weil die Wirtschaft einen
hohen Bedarf an Ingenieuren hat.

Alles in allem ist die Schule dazu da, die SchülerInnen dazu zu erziehen, später in der Gesellschaft gut zu funktionieren. Die Schule bereitet junge Menschen auf das spätere Leben vor. Gelehrt wird den SchülerInnen nicht das Wissen, was sie selber interessiert, sondern das, mit dem sie später arbeiten können. Gelehrt wird den SchülerInnen das, wofür sie wirtschaftlich verwertbar sind.
Die Frage nach den individuellen Bedürfnissen der SchülerInnen spielt gar keine Rolle, sie sollen eben nicht das lernen, was sie interessiert, sondern das, was sie in der Gesellschaft gut funktionieren lässt – und da ist der Wille der SchülerInnen eben nebensächlich.

Die Schule stellt keine Einrichtung dar, die den Menschen hilft, zu sich selbst zu finden, frei zu werden, oder das zu verwirklichen, was mensch schon immer machen wollte. Das schließt natürlich nicht aus, dass einzelnen SchülerInnen die Schule durchaus Spaß machen kann. In der Gesamtheit jedoch ist eindeutig festzustellen, dass die meisten SchülerInnen die Schule als nicht angenehm empfinden.

Demokratische Erziehung

Den SchülerInnen wird auch die demokratische Ordnung gelehrt, die Gesetze und Regeln, die hierzulande bestehen und die Möglichkeit der politischen Teilhabe – welche z.B. alle 4 Jahre über Wahlen von politischen „Repräsentanten“ läuft.
Den SchülerInnen wird beigebracht, dass die herrschende Ordnung, die „freiheitlich-demokratische Grundordnung“, etwas Gutes sei.
Da das Schulwesen komplett in den Händen des Staates liegt, ist das auch nur logisch.

Wo ist das Problem?

Die Funktion der Schule wurde nun erläutert, doch wo liegt eigentlich das Problem?
Es ist nun so, dass die moderne Gesellschaft eine kapitalistische Gesellschaft ist. Kapitalismus, das bedeutet, dass die Produktionsmittel, also die Mittel, die zum Produzieren von Gütern notwendig sind, Privatpersonen gehören – egal, wer die Güter benötigt. Z.B. gehört das Feld, von dessen Weizen Brot gebacken wird, das alle Menschen benötigen, nicht all denen Menschen, die das Brot benötigen, sondern eben nur einem Menschen.
Das hat den Effekt, dass eine einseitige Abhängigkeit der Brot-essenden Menschen vom Feldbesitzenden Menschen entsteht.
Ähnlich mit Autos: Viele Menschen benötigen Autos, doch die Autofabriken – Daimler, Porsche, BMW, Volkswagen etc. – gehören nicht allen Menschen, sondern eben Privatleuten.
Dadurch können diese Menschen dem Rest der Gesellschaft die Bedingungen, zu denen die Autos verkauft werden, aufzwingen – das bedeutet z.B. hohe Preise, denn der Firmenbesitzer will schließlich auch Gewinn aus dem Verkauf ziehen und muss es auch um auf dem kapitalistischen Markt, der auf Konkurrenz beruht, mit seiner Firma überleben zu können.
Diese Form der Wirtschaft ist nicht selbstverständlich, schließlich könnte das, was alle brauchen, auch allen gehören. So wäre eine viel bessere Verteilung der Güter gewährleistet.
Die sogenannte „freiheitlich-demokratische Grundordnung“ nun schützt genau diese Form des Wirtschaftens, die man Kapitalismus nennt, z.B. mit dem Recht auf Eigentum:
„Das Eigentum und das Erbrecht werden gewährleistet“[3] – damit ist selbstverständlich nicht der private Besitz wie z.B. eine Zahnbürste gemeint, sondern eben die Produktionsmittel. Der Staat ist der Wahrer der wirtschaftlichen Verhältnisse in ihrer Gesamtheit.
Die Schule arbeitet genau daraufhin – dass der gesellschaftliche Ist-Zustand, besonders hinsichtlich der Wirtschaftsform, d.h. der Kapitalismus, anerkannt wird.
Mehr noch, die Schule liefert dem Kapitalismus den brauchbaren Stoff, um gut zu funktionieren: Gut ausgebildete Arbeitskräfte („Gut“ bedeutet hier vorteilhaft im Sinne der kapitalistischen Verwertungslogik). Das nämlich braucht der Kapitalismus – die Privatwirtschaft – um zu florieren: ohne ausreichend Arbeitskräfte kann es keine gesunde Wirtschaft geben.
Die Bedürfnisse der SchülerInnen fallen hier, wie bereits gesagt, unter den Tisch. Das ist eine grundsätzlich Eigenschaft der Schule, die durch Reformen nicht geändert werden kann!

Das heißt…?

Wenn man nun „kostenlose Bildung für Alle“ fordert, fordert man folgendes:
Dass jeder Schüler/ jede Schülerin kostenlos (!) dazu ausgebildet werden darf, wirtschaftlich einwandfrei verwertet zu werden.
Emanzipatorisch kann diese Forderung jedoch nicht sein, denn sie schützt den Menschen als Objekt der Wirtschaft – die Menschen sollen nicht Mensch sein, sondern der Wirtschaft dienen, d.h. malochen, sich abrackern und schuften – nicht für das eigene Wohl, sondern zum Wohle der Wirtschaft.
Eine richtige Forderung müsste auf die Abschaffung der bürgerlichen Schule als staatliches Instrument mit der gleichzeitigen Abschaffung der gesamtkapitalistischen Wirtschaftsweise hinzielen. Damit ist nicht gemeint, dass die Menschen nichts mehr lernen sollen! Doch nur in einer nicht-kapitalistischen
Gesellschaft ist gewährleistet, dass die Menschen in der (nicht bürgerlichen) Schule das lernen, was sie persönlich interessiert, was dem Einzelnen den Horizont erweitert und ihn in seinem Leben weiterbringt.
Aber der Kapitalismus lässt sich eben nicht über Reformen, sondern nur über den revolutionären Weg abschaffen.

Den bundesweiten antikapitalistischen Schulstreik organisieren!
Die bürgerliche Schule bekämpfen!
Selbstbestimmung statt Schulsklaverei!
Für die soziale Revolution!

[1] Alle Zitate von: www.schulaction.org/aufruf.php
[2] §1 Absatz 2 Schulgesetz für Baden-Württemberg
[3] §14 Absatz 1 Grundgesetz